Liebe Bauerngärtnerin, lieber Bauerngärtner,
der August schreitet weiter voran. Wer von euch hat diesen Sommer schon Ausschau nach Sternschnuppen gehalten? Vielleicht nutzt du ja nach getaner Gartenarbeit den freien Himmel am Stadtrand mal zum Sternschnuppengucken?
Auch sind die späten Abendstunden im bauerngarten bei der Sommerwärme wirklich besonders. Mir war es dieser Tage eine große Freude, die Schatten länger werden zu sehen, den warmen Wind auf der Haut zu spüren und ihn im Mais rascheln zu hören.
In diesem Telegramm findest du die übliche Parzellenrundschau mit Tipps und Hinweisen zum Hacken, Ernten und Genießen im bauerngarten. Darüber hinaus informieren wir über Pflanzenkrankheiten an der Roten Bete, diskutieren den richtigen Erntezeitpunkt von Kartoffeln, geben Hinweise zu unseren Gründüngungskreisen und vielem mehr.
Viel Freude beim Lesen wünscht
Max
Parzellenrundschau
In den Gemüsekreisen fallen die runden Tomaten und Kürbisse mit ihren leuchtenden Farbtönen ins Auge, und überall dort, wo die Cosmea gute Bedingungen zum Wachsen hatte, leuchten die Kreisränder weiß und lila. Was gibt es zu wissen, was zu tun?
- Die Calendula sind ausgeblüht und können als Regenwurmfutter/Mulch weiterveredelt werden. Hat jemand mal versucht, sie länger am Blühen zu halten, indem er sie zurückschneidet, bevor sie ausgeblüht ist?
- Der Lauch ist zum Teil schon so weit, dass er gut geerntet werden kann. Die Zwiebeln sollten inzwischen abgeräumt sein, ihnen bekommt die Feuchtigkeit nicht.
- Die Möhren haben sich nach den Auflaufschwierigkeiten im Mai schön entwickelt. Sie werden bereits geerntet. Das Laub bekommt langsam Mehltau (zumindest in Ahri). Hat das jemand an anderen Standorten auch beobachtet?
- Die Petersilien stehen überwiegend schön da. Das kann sich bald ändern. Ein guter Zeitpunkt, einen Schwung abzuernten und einzufrieren. Der Sellerie wird auch langsam dick. Hat schon jemand einen geerntet?
- Die Grünkohlpflanzung hat dieses Jahr in vielen Parzellen sehr schön funktioniert. Danke für eure Umsicht mit den Beetmaßen. Das ist wichtig, damit wir die Kohlhernie weiter eindämmen. Bitte achtet zukünftig darauf, den Grünkohl einreihig zu pflanzen und die Reihe möglichst parallel zu den anderen Reihen (wie Kartoffeldamm) zu pflanzen. Die Wurzeln wachsen sonst in die Nachbarbeete.
- Beim Kürbis lohnt es sich meiner Meinung nach, sobald das Laub weg ist, die Früchte abzuernten und auf der Fensterbank nachreifen zu lassen.
- Die Tomatenernte ist in vollem Gange. Regelmäßige Ernte lohnt sich. Hoffentlich geht das noch eine Weile weiter. Die ersten Blätter haben Krautfäule/Phytophthora.
- Die Paprika tragen zum Teil sehr schön. Sie reifen sehr unterschiedlich ab; zum Teil sind sie noch gelb, in anderen Parzellen sind schon viele rote Früchte dabei.
- Der Mais ist dieses Jahr überdurchschnittlich gut entwickelt. Die Ernte kann beginnen. Es lohnt sich, die Kolben regelmäßig zu betasten, so kann man merken, ob die Körner schon prall sind. Ein weiterer Indikator sind die Fruchtfäden. Je trockener und dunkler sie sind, desto reifer ist der Kolben. Wartet nicht zu lange mit der Ernte, Waschbären lieben die Kolben und haben in Mette bereits ordentlich gewütet.
Wichtig: Rote Bete und Blattfleckenkrankheit
Die Rote Bete hat sich sehr unterschiedlich entwickelt. Zum Teil gibt es kleine, aber schöne Knollen, hier und da ist das Laub bereits komplett abgestorben. Bitte krankes oder abgestorbenes Laub in die Kohlkomposthaufen legen, es überträgt die Pilzerreger Ramularia beticola, welche die Blattfleckenkrankheit an Gänsefußgewächsen hervorruft. Wahrscheinlich lohnt es sich, die Rote Bete bald abzuernten, das Laub zu entsorgen und die essbaren Knollen zu verspeisen.
Wo die Kohlkomposte noch mit Vlies abgedeckt sind, deckt sie bitte ab, bevor ihr Kompost dort reinlegt.
Mehr zum Thema Blattfleckenkrankheit in dem Sondertelegramm.
Raus damit? Wann Kartoffeln geerntet werden sollten
Immer mal wieder lohnt es sich, bei der Ernte die Saison von hinten zu denken und zu überlegen: Wie viel sollte ich von meiner Ernte wöchentlich essen, damit ich rechtzeitig alles aufgegessen habe? Bei den Kartoffeln lässt sich das gut in Anzahl Pflanzen oder Meter Reihe herleiten. Wann aber ist der Zeitpunkt erreicht, wann die Kartoffeln aufgegessen sein sollten? Hierzu ein paar Gründe, die Kartoffeln schnell aus dem Boden zu holen:
- Kartoffeln sind frostempfindlich. Im Oktober steigt das Frostrisiko. Bekommen die Kartoffeln im Boden einen kräftigen Frost ab, werden sie ungenießbar.
- Wühlmäuse, Drahtwürmer oder diverse Krankheiten können der Kartoffel im Boden zu schaffen machen und die Ernte dezimieren. Da gibt es bei Kartoffelbauern namhafte Erreger wie Rhizoctonia solani, welcher die „Schwarzbeinigkeit und Knollenfäule“ hervorruft, Erwinia carotovora, das sind Bakterien, die eine übel riechende Weichfäule verursachen, und Pilzarten der Gattung Pythium, verantwortlich für die „Wurzelfäule und Knollenfäule“.
- Wenn die Dämme nicht hoch genug sind und/oder die Kartoffeln durch Starkregen freigespült werden, werden die Knollen grün und damit ungenießbar.
Es gibt aber auch gute Gründe, die Kartoffeln im Boden liegen zu lassen:
- Vor der Einlagerung sollten sie schalenfest sein. Das ist i.d.R. zwei Wochen nachdem das Laub weg ist, der Fall.
- Wer keinen kühlen Keller hat, dem bleibt oft nur der Kühlschrank zum Lagern. Das ist für wochenlange Lagerung nicht ökologisch und wegen der vielen Erde oft eine Zumutung für die Technik.
- Oft finden wir beim traditionellen Resteplündern Ende Oktober noch viele einwandfreie Erdäpfel im Boden. Ohne Wühlmäuse und bei gemäßigter Witterung haben sie gute Chancen, lange im Boden durchzuhalten.
Jungpflanzen freigegeben
Wir hatten den Eindruck, dass gerade ziemlich viele Bauerngärtner*innen im Urlaub sind und sich von der letzten Lieferung bisher keine Jungpflanzen genommen haben. Trotzdem haben wir uns entschieden, die Pflänzchen nach Ablauf einer Woche freizugeben. Hintergrund ist folgender: Die Anzuchtpflanzen in ihren kleinen Erdpresstöpfen müssen zeitnah nach der Lieferung in den Boden kommen. Geschieht das nicht, treten häufig folgende Probleme auf: Die Pflanzen leiden schnell an Platz- und Nährstoffmangel, das fördert Krankheiten. Auch gibt es viele Pflanzen, die sich gewissermaßen an die engen und nährstoffarmen Bedingungen gewöhnen und zu spät ins Beet ausgesetzt nur noch eingeschränkt weiterwachsen. Das nennt man Topfmüdigkeit.
Falls du im Urlaub bist und vorher noch dein Beet ordentlich durchgehakt hast, ist es gut möglich, dass du über die Kreisverteiler der bauerngarten-Gemeinschaftsinitiative Menschen findest, die dir noch ein paar Pflänzchen ins Beet setzen. Wenn du noch nicht im Kreisverteiler stehst, meld dich bei gemeinschaft@bauerngarten.net oder info@bauerngarten.net.
Buchweizen wuchert
Dieses Jahr haben wir statt des schlanken Sandhafers als Zwischenfrucht einen Buchweizen als Sommerzwischenfrucht in die Wechselkreise gesät. Seinen Job, Beikraut zu unterdrücken, ordentlich Biomasse zu bilden, den Boden zu beschatten und Bienen sowie andere Insekten zu nähren, macht der Buchweizen dieses Jahr richtig gut! Er hat gute Chancen, seinen Vorgänger – den Sandhafer – abzulösen. Dieser konnte zwar wunderbar pflanzenparasitäre Nematoden dezimieren, hatte aber regelmäßig Schwierigkeiten, sich gegen die Samenunkräuter durchzusetzen.
Als Tipp für alle Insektenfreunde: Den Buchweizen kannst du auch selber als Zwischenfrucht in deine Parzelle säen. Überall dort, wo Kulturpflanzen abgeräumt werden und sonst kahler Boden wartet oder Beikraut gedeiht, kann er Wasser und Restnährstoffe in Humus verwandeln.
Alle, die beim Zwischenfrucht-Workshop aufgepasst haben: Wir lassen den Buchweizen in den Wechselkreisen bewusst samenreif werden und sind zuversichtlich, dass wir die wieder auflaufenden Pflänzchen mit unserer Anbautechnik reguliert bekommen.
Wünsche und Anmerkungen
- Bitte achtet alle aufeinander, wenn es um nackte Beine/Arme und das Pastinakenlaub geht. Zur Erinnerung noch mal: Berührungen mit Pastinakenlaub in Kombination mit Sonnenlicht können zu schweren Hautirritationen führen.
- In den Havelmathen haben uns mehrere Hinweise erreicht, dass der Boden dort trocken ist. Danke an alle, die sich gemeldet haben. Ich habe heute die Bewässerungsdauer ordentlich erhöht. Alle Kreise bekommen heute und morgen Nacht dort Wasser. Ich freue mich über Rückmeldungen, wie es den Jungpflanzen geht und ob jemand Ausfälle hat bzw. Ersatz benötigt.
- Sowohl in Ahrensfelde als auch in Mette stehen Sonnenblumen so nah am Kreisregner, dass dieser nicht mehr gut arbeiten kann. Achtet darauf, dass eure Sonnenblumen nicht zu weit innen stehen. Sie machen sonst eine Art Regenschatten. Das heißt, die Fläche hinter der Sonnenblume bleibt trocken.
- Für alle, die länger nicht in Ahrensfelde waren, dort ist der Wildzaun inzwischen um eine Elektrolitze erweitert worden.
Termine
- Statt eines Sommerfests laden wir dieses Mal zum Agrikulturfestival Berlin am 21. September von 10-18 Uhr im Wriezener Park ein. Nähere Infos folgen, sobald bekannt.
- Ab Montag, den 2. September, könnt ihr eure Parzellen für die kommende Saison wieder buchen.